Großglockner- Besteigung 23.06.2017

Wenn am Ende der Verstand siegt und nicht der Wille den Gipfel zu erreichen!

Am Donnerstag war es endlich soweit und das Warten hatte ein Ende, es ging endlich zum Großglockner! Wir fuhren um 1400 Uhr in Gröbming weg und kamen um ca. 1700 Uhr am Parkplatz oberhalb des Lucknerhauses an.

Wir hatten unser Zimmer nicht wie eigentlich üblich in der Stüdlhütte reserviert, sondern bei der 500hm tiefer gelegenen Lucknerhütte, da leider kein Platz für uns vorhanden war!

Nachdem wir die Zimmer bezogen, setzten wir uns zum Abendessen hin und diskutierten noch über die Einzelheiten der Tour. Geplant war der Aufstieg übers Stüdlgrat, Beginn 03:30 Uhr!

Auch die Wetterlage prüften wir noch genau und es war mit drei verschiedenen Wetterberichten ziemlich übereinstimmend: Es wird sonnig, zumindest vormittags und mehr brauchten wir nicht zu wissen.

Wir hörten nebenbei auch die Gespräche der Anderen mit und befragten auch den Hüttenwirt über die Wetterlage für den nächsten Tag. Nach intensiven Gesprächen und ein paar Bier war es auch schon 23:00 und wir legten uns schlafen.

Es war eine sehr kurze Nacht, denn der Wecker riss uns schon wieder um 3:00 Uhr aus unserem Schlaf. War es die Höhenluft oder doch der Hüttenschnaps vom Vortag der mir im Kopf ein leichtes Klopfen bescherte? Egal, erstmal Frühstücken und an der frischen Luft sieht die Sache wieder ganz anders aus!

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Wir gingen  wie geplant um 03:45 von der Lucknerhütte weg, um noch vor den Bergsteigern von der Stüdlhütte Am Grat zu sein. Wir waren keine 30 Minuten unterwegs, da passierte das, was wir eigentlich nicht erwartet hatten, es begann zu regnen und die ersten Blitze folgten gleich.

Wir dreht sofort um und liefen den Wanderweg hinunter um unter einem Felsvorsprung Schutz zu suchen!

Unser Unterstand während des Gewitters!

So war das Ganze nicht geplant! Doch nach einer halben Stunde hörte der Regen auf und es begann aufzulockern! Wir marschierten flott Richtung Stüdlhütte, um keine Zeit mehr zu verlieren! Oben angekommen, sahen wir schon die ersten Seilschaften den Weg zum Stüdlgrat hinaufwandern.

05:30 auf der Stüdlhütte!

Wir schauten nochmals auf unsere Handys um uns nochmal die aktuellen Wetterverhältnisse anzusehen. da es leider nicht nach beständigen Wetter aussah, entschlossen wir kurzerhand doch den Normalweg zu nehmen um im Falle eines Schlechtwetters schneller absteigen zu können! Wenn man so wie ich zum ersten Mal den Großglockner besteigen möchte, ist es eigentlich mehr oder weniger egal welche Route man nimmt!

Nach rechts über das Schneefeld (auf Höhe Luisenscharte) zum Kampl und weiter  zu den Felsen des Mürztalersteiges rauf zur Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe).

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Klare Sicht und kaum Wolken am Himmel ließen auf eine trauhafte Aussicht hoffen
bestens gesichert ging es in einer Dreier-Seilschaft bergauf zur Adlersruhe!

Die Bedingungen ließen uns auf einen wolkenfreien Gipfelsieg hoffen und so verschwendeten wir keine Zeit um  den Weg bei der Hütte vorbei zum Glocknerleitl in Angriff zu nehmen Es waren schon einige Seilschaften unterwegs, darunter auch einige tschechische bzw. slowakische Gruppen, die uns leider etwas an unserem flotteren Vorankommen hinderten!

Wir hatten ja keine Eile, noch nicht.

Es war nicht mehr weit, bis wir am Gipfel des Kleinglockner ankamen und  ich  mich schon am Gipfelkreuz des Großglockners stehen und die gewaltige Aussicht genießen sah, doch irgendwie scheint es mit Genuss und Aussicht nichts zu werden.

Es ging Schlag auf Schlag! Zuerst War es ein Donner, der aus größerer Entfernung zu hören war, doch binnen weniger Minuten war das Donnergrollen direkt über uns. Wir waren in einer Gewitterwolke gefangen.

Es begann zu hageln, der Sturm wehte uns um die Ohren. Es ist schon ein unangenehmes Gefühl wenn ein Gewitter ÜBER einem herzieht, doch Direkt In einer Gewitterwolke zu sein, lässt einem die Farbe aus dem Gesicht nehmen.

Plötzlich gab es einen lauten Knall und ein Blitz schlug keine 100 Meter von uns entfernt ein! Eigentlich ließen wir (Ich und Mike) unserem Angehenden Bergführer Chri die Entscheidungen treffen, doch in diesem Punkt waren wir uns innerhalb weniger Sekunden einig: WIR STEIGEN AB!!!!

Die Ladung der Gewitterwolke war so enorm, dass man an den Sicherungsstangen sogar schon ein leichtes Kitzeln spürte, so ähnlich, wie wenn man mit der Zunge ein 12Volt Batterie berührt.

In Windeseile stiegen wir ab um nicht vom Blitz getroffen zu werden.

Eigentlich war mir schon etwas kalt, doch dieses Unwetter ließ all meine Ermüdungen und Schmerzempfindungen in Vergessenheit geraten, denn ich wollte nur noch in Sicherheit sein!

Dass die Seilschaft der ausländischen Bergsteigergruppe dennoch zum Gipfel aufstieg, stieß bei mir auf Unverständnis. Für mich ist ein Abstieg in solch einer Situation kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Respekt und zwar gegenüber der Natur!

In der Erzherzog-Johann-Hütte stärkten wir uns mit einer Suppe und sprachen mit einer anderen Seilschaft über das Geschehene.

Nach einer kurzen Zeit kam auch noch ein Bergführer rein, der gerade am Grad zwischen Klein- und Großglockner war als das Unwetter über ihn hereinbrach! Er erzählte vom Funkenflug über dem Gipfelkreuz und über sein Glück das ihm und den Anderen nichts passiert ist.

Nach den gegenseitigen Erzählen unserer Erlebnisse, stiegen wir zum Parkplatz ab, um uns wieder nach Hause zu begeben!

Auch wenn sich etwas Enttäuschung über den missglückten Gipfelsieg Am Großglockner in mir breit machte, war ich schlussendlich froh über unsere Entscheidung, denn es wird der Tag kommen, an dem das Wetter mitspielt!

Nun weiß ich zumindest wie richtige Bergsteiger-Geschichten entstehen und ihr seit die ersten von meiner! 😉

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Unser Unterschlupf bei Tageslicht!

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